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Hallo LIEBER LESER.
Haben Sie vor, Deutschland den Rücken zu kehren und nach Lateinamerika auszuwandern?
Ich habe diesen Schritt jetzt schon dreimal gemacht und kann Ihnen daher einige nützliche Tipps von mir und den Auswanderern, die ich in den verschiedenen Ländern getroffen habe, geben. Manches von dem, was Sie hier lesen werden, klingt so, als wenn ich Ihnen von Lateinamerika abraten möchte. Dem ist nicht so! Ich versuche nur, Sie so gut wie möglich auf die Umstände, die Sie dort erwarten, vorzubereiten.
Also zuerst einmal das POSITIVE:
Wo Sie auch hingehen möchten, eins ist so gut wie sicher. Sie werden im Durchschnitt ca. 300 Sonnentage oder mehr genießen. Die Temperaturen sind je nach Zone ziemlich verschieden, aber im Flachland können Sie von täglich 25 bis 30 Grad Celsius ausgehen. Auch die Nächte sind nicht sehr viel kühler.
Besonders empfehlenswert ist für mich die Karibik-Küste. Hier gibt es allerdings nur eine beschränkte Anzahl an Ländern (von Norden nach Süden), die eine Karibikseite haben:
MEXICO: Eine große Anzahl wunderschöner Strände und auch Städte - sehr touristisch und verhältnismäßig teuer. Ziemlich viel Kriminalität. Unzählige Maya Ruinen und sehr teure Touristenstädte wie Acapulco etc.
BELIZE: Alte britische Kolonie, große Anzahl wunderschöner Strände - touristisch und sehr teuer aber auch noch nicht überlaufen.
GUATEMALA: schöne Strände aber mehr ländlich - touristisch noch nicht wirklich erschlossen - nicht zu teuer. Guatemala Stadt: sehr hohe Verbrechensrate! Viele Touristen Orte wie TIKAL oder CIVAL und ANTIGUA.
EL SALVADOR: Viele Vulkane, schöne Pazifikküste, keine besonderen Touristik Attraktionen, Währung US$, viele kriminelle Gangs, hoher Lebensstandard.
HONDURAS: Pazifik und Karibik Strände, sehr preiswert aber auch niedriger Standard, hohe Kriminalität! Copán Ruinas empfehlenswert (Maya Ruinen) Häufige Probleme mit der Stromversorgung! Ich machte sehr gute Erfahrungen mit der Einwanderungsbehörde. Visa Verlängerung im Lande.
NICARAGUA: Pazifik und Karibik Küste, wobei die Karibikseite touristisch fast noch unerschlossen ist. Die Bewohner sind recht freundlich aber auch sehr diebisch. Häufige Probleme mit der Strom- und Wasserversorgung!
COSTA RICA: Das wohl reichste und teuerste Land Mittelamerikas mit den schlechtesten Strassen. Schöne Pazifik und Karibik Strände und Naturschutzparks. Hauptstadt San José ist aktuell echt GEFÄHRLICH!
PANAMA: Guter Standard, vernünftige Preise, einigermaßen sicher, wunderbare Karibik und Pazifik Küste. VORSICHT beim Besuch der Stadt COLON im Norden!
Soviel zu den einzelnen Ländern.
Jeder, der nach Lateinamerika auswandert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass man durch die weiße Hautfarbe den Einheimischen zu erkennen gibt, dass man unendlich reich ist und daher betrogen oder bestohlen werden muss. So ist jedenfalls die Vorstellung der meisten Einheimischen über Ausländer. Jeder Ausländer hat einen EURO (oder Dollar) -BAUM und seine einzige tägliche Beschäftigung besteht darin, morgens die 100 EURO Noten vom Baum zu pflücken. So in etwa denken viele Latinos über uns und haben deshalb weder Skrupel noch Gewissensbisse, wenn sie einen der "GRINGOS" übers Ohr hauen, überfallen oder bestehlen.
Auch sollten Sie unbedingt berücksichtigen, dass die Justiz grundsätzlich korrupt ist. Selbst wenn Sie einen Angestellten auf frischer Tat beim Diebstahl ertappen oder sogar eine Videoaufnahme als Beweis haben, ist immer noch nicht garantiert, dass Sie den Fall bei Gericht gewinnen. Stecken Sie dem Richter jedoch einen genügend dicken Umschlag mit Banknoten zu, ist die Wahrscheinlichkeit "Recht" zu bekommen enorm gestiegen.
Die billigste Lösung ist immer noch zu einem Vergleich zu kommen. Sollte Ihr Angestellter kleine Beträge entwendet haben, entlassen Sie Ihn am Besten sofort, bedanken sich für die gute Arbeit, die er geleistet hat und bezahlen ihm seine Abfindung. Zeigen Sie hierbei Größe und ein wenig Überheblichkeit in dem Sie kein Wort mehr über das Verbrechen verlieren. Hier erweist es sich als sehr nützlich, einen guten Steuerberater (Contador público) zu finden. Der wird genau errechnen, was laut Gesetz dem diebischen Latino noch an Zahlungen zusteht. Es ist dringend davor zu warnen, die Zahlungen zu verweigern, wenn man sich nicht der Bedrohung von Überfällen oder Gewalttaten aussetzen will. Denken Sie als Ausländer immer daran, dass die Einheimischen in ihrem eigenen Land fast immer im Vorteil sind.
Gewöhnen Sie sich als Auswanderer daran, dass Sie bei Behörden und Ämtern fast grundsätzlich mehr Gebühren bezahlen, als einheimische Unternehmer.
Meine persönliche Bewertung von den Ländern, in denen ich schon gelebt habe:
ECUADOR: War für mich eigentlich eine Erfolgstory. Meine Angestellten lernen relativ schnell, sowohl die Gerichte in der Küche, als auch meine Vorgaben im Servicebereich und die Menschen in Otavalo waren generell sehr hilfsbereit. Die Kosten waren seinerzeit sehr niedrig, allerdings auch die Gewinnmargen. Meine (Raucher-) Lunge litt an Anfang unter der enormen Höhe (2500 m. ü/M) dafür war das Klima jedoch sehr gesund und fast ein wenig wie unser europäischer Sommer (tagsüber ca. 25 Grad, nachts ca. 15 Grad). Sehr angenehm. In Ecuador gibt es fast alle Gemüse und Obstsorten zu kaufen. Besonders lecker: die Frucht CHIRIMOYA. Man kann Ecuador in drei verschiedene Regionen aufteilen: DIE KÜSTE (Pazifik): Heiß, überwiegend Farbige, sehr kriminell. DAS HOCHLAND: Ideales Klima, Indigenas (Eingeborene) Mestizen (Mischlinge), eher ruhig. Der DSCHUNGEL (Amazonas): Feuchtheißes Klima, eher freundliche Eingeborene, weniger Kriminalität. - Die Behörden waren zu meiner Zeit sehr freundlich, hilfsbereit und kooperativ. Die Steuern waren lächerlich niedrig und die Lebenshaltungskosten auch. Und sollte es dann einmal unverhoffte Schwierigkeiten geben, helfen meist kleine "Zuwendungen", um diese zu lösen. Einziger Nachteil: Die ständige Spannung zwischen Ecuador und Peru. Jederzeit (wie 1995) könnte wieder ein Krieg ausbrechen. Mein Gesamturteil: Durchaus EMPFEHLENSWERT.
HONDURAS: Meine erste Station in Zentralamerika. Ein wunderschönes Land mit all seinen Vor- und Nachteilen für Ausländer. Schon zu meiner Zeit war die Kriminalitätsrate hoch, heute soll es jedoch regelrecht gefährlich sein, da die Bandenkriminalität sehr gestiegen ist. Ich habe ein paar Jahre in der Hauptstadt Tegucigalpa gelebt und danach an der Karibikküste in La Ceiba. Besonders sauber sind die Latinos nicht und daher gibt es auch viel Ungeziefer und die daraus resultierenden Krankheiten wie "Dengue" (Fieber). Tegucigalpa ist zweigeteilt durch einen Fluss. Der ärmere Stadtteil heißt Comayagüela und ist nach Einbruch der Dunkelheit durchaus als gefährlich zu bezeichnen. Ich hatte Glück und wohnte fast nur in Stadtteilen wo die überwiegende Bevölkerung aus dem Mittelstand kam und dort war es dann auch einigermaßen sicher. Die honduranischen Arbeitskräfte würde ich als eher arbeitsunlustig, wenn nicht sogar als durchaus faul bezeichnen. Natürlich sind die Gehälter für Angestellte ungeheuer niedrig und dennoch waren viele meiner Ex-Angestellten nicht einmal dieses Geld wert. Besonders negativ hervorzuheben ist die Unmöglichkeit für Latinos, etwas zu gestehen. Ich erinnere mich dabei an einen Fall, wo meine Sekretärin in Tegucigalpa den ganzen Vormittag allein war und als ich nach dem Mittagessen ins Büro komme, ist der Computer mit all seinen Programmen abgestürzt. Vermutlich schaffte es dieses Mädchen in das DOS System zu kommen und hat dann scheinbar einen solchen Schaden angerichtet, dass der Computer nicht einmal mehr hochgefahren werden konnte. "ICH habe nichts gemacht!" war dann der Kommentar meiner Sekretärin. Das ist absolut typisch. Das einzige worin meine Sekretärin wirklich eine Spitzenkraft war: im honduranischen Arbeitsrecht und der Höhe von Abfindungen für Angestellte bei Kündigung.
Fortsetzung folgt...