Am „Parque
Central“ von Granada dösen Fahrer und Pferde im Schatten. Das
Kutschengeschäft in der Stadt am Lago de Nicaragua ist oft flau, nicht nur
an diesem Nachmittag. Nur wenige ausländische Besucher stehen am Park
zwischen Palmen und blühenden Büschen vor dem Schaukasten mit Karte, wo die
historischen Gebäude der 1524 von den Spaniern gegründeten Stadt erklärt
werden.

Granada ist kein Einzelfall – generell steckt der Tourismus in Nicaragua
noch in den Kinderschuhen. Während der Regierungszeit der linksgerichteten „Sandinistas“
in den 80er Jahren waren vor allem die so genannten Revolutionstouristen und
„Solidaritätsarbeiter“ ins Land gekommen, die wegen ihrer Fußbekleidung auch
„Sandalistas“ genannt wurden. Inzwischen reisen zwar jährlich mehr als
300000 ausländische Gäste ein, darunter gut 10000 Deutsche – viele aber
kommen nur zur Kurzvisite aus den Nachbarländern Costa Rica und Honduras.
Dabei lockt Nicaragua mit gut 40 Vulkankratern, reicher Kolonialarchitektur,
mit Haciendas, Kaffeeplantagen, Regenwäldern, Stränden am Pazifik sowie ein
paar kleinen Inseln mit verschlafen-karibischem Flair.

Vor allem die dünn besiedelte Karibik-Küste im Osten des viereinhalb
Millionen Einwohner zählenden Landes ist wenig erschlossen – ganz im
Gegensatz zur Pazifikregion mit der Hauptstadt Managua, die auch
Ausgangspunkt für Touren in die Kolonialstädte Leon und Granada ist. In
Granada, gut eine Busstunde entfernt, sollten sich Touristen vor allem die
„Casa de los Tres Mundos“ (Haus der drei Welten) anschauen. In dem
historischen Gebäude ist heute ein Kulturzentrum untergebracht, in dem auf
Initiative des deutschen Schauspielers Dietmar Schönherr und anderer
Förderer Kinder armer Familien kostenlos in Musik und Kunst unterrichtet
werden.

In der „Zona turistica“ am Nicaragua-See mit Discos und Restaurants werden
Bonbons, Kaugummi und Kämme in geflochtenen Körben angeboten. An den
Anlegestellen gibt es in der Woche an manchen Tagen mehr Ausflugsboote als
Touristen. Dass der Fischreichtum groß ist, beweisen die vielen
erfolgreichen Sturzflüge der Pelikane. Wer für mehr als eine Tagestour Zeit
hat, kann nach Ometepe reisen. Die meisten Ausländer, die auf diese größte
Insel im See kommen, sind Weltenbummler und Rucksacktouristen, schätzen
Gastfreundschaft, Ruhe und üppige Vegetation. Die 1610 und 1340 Meter über
Seehöhe gelegenen Vulkane „Conception“ und „Madera“ bilden die Mittelpunkte
der beiden Inselhälften, die durch eine Landzunge miteinander verbunden
sind.
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